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Gemeinsame Jahreshauptversammlung der Feuerwehren der Stadt Ortenberg |
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Sinkende Mitgliederzahlen gefährden Einsatzbereitschaft
21.04.2010 - ORTENBERG
Stadtbrandinspektor Henrich weist bei Hauptversammlung auf kritische Entwicklung hin
(ten). Ehrungen, Beförderungen und andere Personalien bestimmten die Hauptversammlung der Ortenberger Feuerwehren. Allerdings machte Stadtbrandinspektor Lars Henrich in seinem Jahresbericht auch auf einige kritische Entwicklungen aufmerksam.
So zählte die Einsatzabteilung zum Jahresende noch 202 Mitglieder, darunter 23 Frauen, was einen Rückgang um 16 Feuerwehrleute im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. "Sollte die Gesamtzahl der aktiven Mitglieder unter 200 fallen, ist die Einsatzbereitschaft im Stadtgebiet nur schwer zu gewährleisten", warnte Henrich. In diesem Punkt erinnerte der Jahresbericht an die Berichte anderer Feuerwehren im Wetteraukreis. Denn auch in anderen Gemeinden stehen viele Mitglieder der Einsatzabteilung tagsüber nicht zur Verfügung, weil sie nicht in ihren Heimatgemeinden arbeiten. Henrich erklärte, dass diese Personalschwäche am Tag durch die Bildung von Löschbezirken teilweise aufgefangen worden sei. Nachdrücklich forderte er, dass auch die Mitarbeiter der Stadt Ortenberg in der Feuerwehr dienen sollten.
Unterstützung der Stadt wünschte Henrich sich auch bei der Nachwuchsgewinnung. Neben den traditionellen Fähigkeiten der Feuerwehren seien "jetzt verstärkt pädagogische Kenntnisse gefragt". Zwar seien durch die Aufnahme von Kindergruppen erste Schritte für den Nachwuchs getan, jedoch bedeute dies auch zusätzlichen ehrenamtlichen Aufwand. Henrich regte die Unterstützung durch Kindergärtnerinnen bei der Vermittlung des pädagogischen Wissens an. Henrich erwähnte, dass die Feuerwehr ihrerseits in sieben Veranstaltungen 1320 Stunden Brandschutzerziehung in den städtischen Kindergärten geleistet habe.
Leicht rückläufig war die Zahl der Einsätze im vergangenen Jahr. Von den 177 Alarmierungen waren 67 Brandeinsätze und 84 Hilfeleistungen. Insgesamt seien 2268 Stunden ehrenamtlicher Arbeit in Einsätzen geleistet worden. Besonders hob Henrich die Wohnhausbrände in Bleichenbach, Effolderbach und Selters und die Personenrettungen bei Verkehrsunfällen und im Steinbruch Bergheim hervor, "die deutlich zeigen, wie wichtig eine funktionierende und schlagkräftige Feuerwehr in einer Stadt wie Ortenberg ist".
Rund 270 Stunden Brandsicherheitsdienst seien im vergangenen Jahr bei Veranstaltungen, vor allem aber auch dem Kalten Markt geleistet worden. Auf Anfrage erklärte Henrich, dass dies die reinen Einsatzstunden seien. Sie müssten mit der Zahl der eingesetzten Feuerwehrleute multipliziert werden, um den tatsächlichen Aufwand zu beschreiben. Er wünschte sich eine bessere Information bei der Anordnung des Brandsicherheitsdienstes, "da eine kurzfristige Bereitstellung der Einsatzkräfte zum Teil sehr schwierig ist".
Henrich rechnete vor, dass durch die Einsatzabteilung insgesamt 3588 Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet worden seien. Setze man einen Stundenlohn von nur 15 Euro an, so hätte diese Arbeit einen Wert von rund 58 000 Euro. "Diese Zahl macht deutlich, dass man Feuerwehr nicht nur an ihren Einsätzen messen darf, sondern das Gesamtwerk Feuerwehr sehen muss", betonte Henrich.
Er wies darauf hin, dass mehrere Fahrzeuge älter als 25 Jahre seien und deshalb ersetzt werden müssten. Im Februar sei ein Löschfahrzeug (LF) 10/6 ausgeliefert worden. Henrich betonte, dass die Feuerwehr hier sparsam gewirtschaftet habe. Nach Norm wären für ein LF 10/6 150 000 bis 165 000 Euro zu veranschlagen. Das Fahrzeug der Feuerwehr Ortenberg habe jedoch lediglich 69 000 Euro gekostet. Auch bei den Feuerwehrhäusern gebe es dringenden Reparaturbedarf.
Henrich lobte den Atemschutzverbund des Wetteraukreises mit der zentralen Werkstatt in Bad Nauheim als wegweisend. Er stellte fest, "dass eine Zusammenarbeit die Kosten für die jeweiligen Kommunen verringert". Durch die zentrale Beschaffung von rund 1 200 Atemschutzgeräten sei die Versorgung der beteiligten Feuerwehren auf die nächsten zehn Jahre sichergestellt. "Im Rahmen dieser Zusammenarbeit kann man Potenziale erkennen, die auf weitere Beschaffungen im Feuerwehrwesen ausgeweitet werden können", empfahl Henrich. |
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Ihre Ernennung zu Wehrführern erhielten Willibald Goldbach, Andreas Jöckel, Hermann Schauermann, Klaus-Andreas Finger, Markus Bäckel, Nicolai Lotz und Peter Rabenau. Bild + Text: Potengowski |
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"Feuerwehr für den Nachwuchs attraktiver machen"
21.04.2010 - ORTENBERG
(ten). Auch Stadtjugendfeuerwehrwart Markus Bäckel betonte während der Hauptversammlung der Ortenberger Feuerwehren die Bedeutung von Kinder- und Jugendgruppen für den Nachwuchs. Allerdings gebe die Mitgliederentwicklung Anlass zur Sorge. Im vergangenen Jahr sei die Zahl um zehn Prozent auf 90 Mitglieder gesunken. In den vergangenen drei Jahren habe der Rückgang fast 40 Prozent betragen. "Eine Entwicklung, der wir alle gemeinsam entgegenwirken müssen, um den Nachwuchs für unsere Einsatzabteilungen in Zukunft noch sicherstellen zu können", forderte Bäckel auch von den politisch Verantwortlichen. Selbstkritisch bekannte er, dass die Attraktivität der Jugendfeuerwehr gesteigert werden müsse.
Er kritisierte, dass die Sammlung der Weihnachtsbäume durch die Jugendwehren von vielen als Selbstverständlichkeit gesehen werde, "da eine kleine Spende als Dankeschön immer seltener wird".
Ein Erfolg sei wieder der Grundschultag gewesen. 35 Helfer, die zumeist für diesen Tag Urlaub genommen hatten, informierten die vierten Klassen der Keltenbergschule in Glauberg und der Maria-Sybille-Merian-Schule in Ortenberg über die Feuerwehr. 34 Helfer hatten diesen Grundschultag ermöglicht. Bäckel bat die Feuerwehrleute um Unterstützung, damit diese erfolgreiche Veranstaltung fortgesetzt werden könne.
Er gab einen Überblick über die zahlreichen Veranstaltungen und Wettbewerbe der Ortenberger Jugendfeuerwehren im vergangenen und im laufenden Jahr. Besonders hob er die Klausurtagung am nächsten Samstag in Bleichenbach hervor. "Wir müssen uns dringend Gedanken machen, wie wir Mitglieder für die Jugendfeuerwehr gewinnen können", beschrieb er das wichtigste Thema. |
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"Da fühlt man sich als Ehrenamtler als Depp der Nation"
21.04.2010 - ORTENBERG
(ten). Auch Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring und Stadtverordnetenvorsteher Friedrich Brackmann gingen bei der Hauptversammlung der Ortenberger Feuerwehren auf die Nachwuchsprobleme ein. Brackmann erklärte, dass das Parlament sich in seinen Haushaltsberatungen durchaus Gedanken über das Problem gemacht habe und auch über Lösungen nachdenke. "Vielleicht sind das zwei, drei Weizenkörnchen, wo etwas wächst", machte er den Feuerwehrleuten Hoffnung.
Pfeiffer-Pantring betonte, dass sich die Stadt des Problems bewusst sei. Sie entgegnete Henrich, dass bei den Stellenbesetzungen in der Stadt natürlich auch auf die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Feuerwehr geachtet werde. Nach den fachlichen Kriterien könne dies über die Auswahl eines Bewerbers entscheiden. Sie würdigte den Einsatz der Feuerwehr für die Stadt, wie zuletzt bei der Wasserverschmutzung in Gelnhaar. "Ohne die Feuerwehr hätten wir das nicht leisten können." Zugleich würde dieses ehrenamtliche Engagement von der Politik zu wenig gewürdigt. Die Mitarbeiter des freiwilligen Polizeidienstes bekämen eine Aufwandsentschädigung, die Feuerwehren nicht mal eine Ehrenamtscard. "Da fühlt man sich als Ehrenamtler als Depp der Nation", wurde sie deutlich. Sie wies darauf hin, dass die Personalentwicklung der Feuerwehr auch eine Folge des Strukturwandels sei. Während Buderus in Hirzenhain früher 1400 Menschen beschäftigte, kämpfe man jetzt um die letzten Arbeitsplätze. "Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass wir zu der Arbeit gehen", forderte sie ein Umdenken. "Es geht darum, dass der Ballungsraum nicht allein der Nabel der Welt sein kann."
Der Zweite Kreisbeigeordnete Ottmar Lich will sich dafür einsetzen, dass die Mitglieder der Einsatzabteilung eine Ehrenamtscard erhalten. Er würdigte den hohen Ausbildungsstand der Ortenberger Feuerwehr und kritisierte, dass die Kapazitäten der Landesfeuerwehrschule nicht ausreichend seien. Um den Nachwuchs zu sichern, forderte er, alle Bevölkerungsgruppen für die Feuerwehr zu interessieren. |